Lernen ist wie Atmen | Leseproben / Rezensionen
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Rezensionen

„Lernen ist wie Atmen” belegt mit einer Vielfalt an Beiträgen verschiedener Menschen in verschiedenen Rollen, wie einfach und natürlich Lernen stattfinden kann. Unterschiedliche Textstile machen das Buch zusätzlich lebendig.

Es vermittelt auf beeindruckende und überzeugende Art und Weise, dass es NICHT primär um „Schule oder nicht Schule” geht, sondern dass „Freilernen“ (also das Lernen im und vom Leben) eine Lebenseinstellung, eine Haltung dem Menschen gegenüber ist: respekt- und vertrauensvoll nicht-direktiv, nicht urteilend, nicht vergleichend, nicht belehrend. Und DARAUS ERGIBT sich dann aus sich selbst die Nicht-Kompatibilität mit dem System „Schule“.

 

Die Texte liefern wertvolle Impulse für einen achtsamen Umgang mit kleinen wie großen Menschen; sie zeigen zum Beispiel, was kleinste Beurteilungen in Menschen anrichten können; wie wichtig es ist, Spiele im Wohnraum „aufgebaut” zu lassen und Spielunterbrechungen zu vermeiden; was der Unterschied zwischen tiefer Freude und oberflächlicher Bespaßung ist u. v. m. Das Buch verdeutlicht, wie unterschiedlich Menschen lernen. Und es präsentiert eine unbestreitbare Tatsache: Lernen findet IMMER statt, am besten, wenn wir NICHT eingreifen!

 

„Lernen ist wie Atmen” hebt das Gute im Menschen hervor, erzählt von Zweifeln und Schwierigkeiten, von Schönem und Berührendem, von Erstaunlichem und Natürlichem. Es beschäftigt sich vor allem auch mit dem Lernen und Wachstum der Eltern und appelliert deutlich an mehr Achtsamkeit, Vertrauen und Menschenfreundlichkeit …

 

Mag. Susanne Sommer

www.textbewegungen.at

TAU. Magazin für Barfußpolitik. Nr. 11

„Lernen ist wie Atmen” zeugt von der Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit des Lernens, das im Leben stattfindet. Es gibt keine Kategorien, keine Muster, keine Konzepte, denen das Lernen des Einzelnen folgt und erst in der Vielfalt aller Wege, aller Möglichkeiten, allen Auslebens diverser Lern- und Lebenswege, formt sich eine Lernwelt, die wir wahrhaftig als Bildung verstehen können.

 

Die Texte im Buch spiegeln die Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Lernprozesse, die in unserem Leben und dem unserer Kinder stattfinden und unterstreichen die Bedeutsamkeit einer friedvollen Haltung jedem einzelnen Menschen gegenüber.

 

Es geht nicht in erster Linie darum, ob wir Schule per se „verteufeln“, ob Institutionen der „Feind“ sind, oder ob wir frei und selbstbestimmt lernen.  Wir dürfen uns frei machen von diesen Bewertungen und Verurteilungen unterschiedlichster Lern- und Lebenswege. Vielmehr geht es darum zu erkennen, dass bedingt durch das Reflektieren der eigenen Haltung ganz klar wird, wie wir anderen Menschen begegnen möchten und was es bedeutet, würde- und respektvoll miteinander umzugehen.

 

Resultierend aus dieser Reflektiertheit und einem Blick auf das institutionalisierte Bildungssystem erübrigt sich die Frage, ob Schule frei und menschenwürdig ist. Eine achtsame, wertschätzende, bedürfnisorientierte und friedvolle Haltung ist nicht vereinbar mit dem derzeitig bestehenden System, das wir Schule nennen.

 

Die Texte in diesem Buch inspirieren, ermutigen und stärken all jene, die zweifeln, hadern oder sich wiederfinden möchten im Kreis jener, die das Leben als Lernort feiern und hier ihre Erfahrungen und Inspirationen teilen.

 

Die Bedeutung des Spiels, der Intuition, der Freude und das Anerkennen der Einzigartigkeit eines jeden Menschen stehen im Fokus all der wundervollen Erfahrungsberichte und machen Mut, bestärken und lassen hoffen dass sich Vieles verändern und zu einer neuen/alten Natürlichkeit entfalten darf. Deutlich wird immer wieder: der Weg beginnt mit einem ersten Schritt und diesen können nur wir selbst gehen. Sei Du selbst der Wandel, den Du Dir wünschst für diese Welt – M. Gandhi

 

Katharina Walter
www.meingeliebteskind.com

Leseproben

Selbst am Wochenende kommen wir nicht zur Ruhe, denn die nächsten Tests und Schularbeiten stehen vor der Tür. Alles dreht sich nur noch um die Schule. Wir alle versuchen zu funktionieren, aber die Tage sind einfach zu dicht. Die Lehrer sind unzufrieden und rufen mich an.

Die Kinder sind angeblich zu verspielt und verträumt. Hausübungen fehlen! Gefährdung unterschreiben…

Ich versuche mein Bestes, aber mein Bestes reicht anscheinend nicht. Wie denn auch, die Zeit ist viel zu knapp. Die Kinder stehen unter Druck, sogar unsere Jüngste möchte plötzlich nicht mehr in den Kindergarten. Ich sehne mich nach Veränderung. Ist Freilernen eine Alternative für uns?“ (Melanie Hetterich)

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Schultag als Lehrer erinnern. Einer meiner neuen Kollegen, der ebenfalls in meiner Klasse unterrichtete, formulierte ziemlich klar, dass die Kinder eben alle „sehr schwach seien“. Zudem riet er mir dringend, dass, wenn die Kinder laut oder aufmüpfig werden, ich gleich mit entschiedener Härte und Disziplin reagieren müsse.

Noch trauriger fand ich es, als die Direktorin mich in meiner neuen Klasse vorstellte und vor allen Kindern einen Jungen ansprach: „Ganz besonders du sollst schön mitlernen. Du weißt eh, dass du schwach bist.“ Kleinlaut antwortete der Junge darauf: ‘Ja weiß ich eh.’“ (Claus Hollweck)

Ein Tag wie jeder anderer. Nein, es gibt keine Tage mehr die einander gleichen, seitdem wir uns für das Freilernen entschieden haben. Jeder Tag ist eine wunderbare Begegnung mit meinen Kindern, voller Liebe, Freude, Spannung und Herausforderungen. Es ist einfach toll zu sehen, welche Ideen tagtäglich aus ihnen spriessen, wie eine Blume, die ihren Blütenkelch öffnet und ihren Blütenstaub verbreitet, zum Wohle aller anderen.“ (Daniela Fancoj)

„Mamaaaaa! Mein Sohn (5) sitzt am Klo, und ich erwarte das, was er immer will, wenn er dort fertig ist. Heute will er etwas anderes: “Zwei mal vier ist acht!”, offenbart er mir, als ich in der Klotüre erscheine. “Ja”, antworte ich etwas baff ob der unerwarteten Erkenntnis, die er gerade am stillen Örtchen gewonnen hat. “Und – wie kommst du da drauf?” frage ich äußerst interessiert.” Das ist so”, erklärt er mir fachmännisch und deutet auf die leeren Klorollen, die er vor sich aufgestapelt hat. “Wenn ich die leere Klorolle naß mache, zerlegt sich der Pappendeckel in 2 Teile. Soll ich’s dir zeigen?” Schon hält er die Klorolle unter den Wasserhahn und weicht sie auf. Der graue Karton läßt sich mühelos zweiteilen. “Und wenn ich alle vier Klorollen einweiche und auseinanderziehe, habe ich acht Kartonstücke. Also: zwei mal vier ist acht!!” Tja, so einfach ist es….!“ (Heidrun Krisa)

„Bei vielen Leuten in meinem Alter sehe ich, dass sie einfach keine Zeit mehr dafür haben, ihrem Herzen zu folgen, oder noch nicht einmal genau wissen, was sie tun sollen, wenn es ihnen nicht von irgend jemandem vorgeschrieben wird. Alleine der Gedanke daran macht mich traurig, denn ich kann mir nicht vorstellen, meine wahre Leidenschaft einfach links liegen zu lassen (…).“ (Lisa Marschnig, 18 Jahre)

Die stereotype erste Frage: „In welche Klasse geht er denn jetzt?“, wenn das Gesprächsthema „Enkelkinder“ auftaucht, habe ich ja inzwischen gelernt, sehr selbstverständlich, manchmal auch mit einer Scherzfrage, zu beantworten. Dabei bleibt es aber meist nicht. Da kommen noch jede Menge „Ja, aber“- Einwände, was soziale Kompetenz, Allgemeinbildung, Studien- und Berufsaussichten betrifft.

Anfangs machten mich solche Gespräche natürlich unsicher und nachdenklich. Aber alters- und erfahrungsbedingt und auch von meinem Temperament her neige ich glücklicherweise zu Gelassenheit in allen Lebenslagen, was hier auch sicher kein Nachteil ist: Ich freue mich einfach über jeden, oft verblüffend unerwarteten Fortschritt, den Benjamin macht, über seinen Einfallsreichtum, seinen Forschungsdrang, seine Empathie-Fähigkeit, seine positive Fröhlichkeit, und sehe zunehmend keinen Grund, mir irgendwelche „Sorgen von morgen“ einreden zu lassen.“ (Hedwig Nechtelberger)

Ich fahre hoch. Hilfe – was ist das? Ich habe geschlafen, es muss so sein. Mein allwissender Körper hat sich zu diesem Neugeborenen gedreht, hat es vollkommen umschlossen wie die Muschel eine Perle. Instinktiv hat mein Körper das getan. Ganz alleine und ohne mich. Aber wie ist das Kind da in meine Arme gekommen? Es liegt so nah an mir, kein Lichtstrahl passt mehr zwischen uns. Es muss das ganz alleine getan haben, es ist zu mir gekommen, gekrochen, gewunden, gekrabbelt mit jeder Faser seines scheinbar hilflosen Körpers. Mein Kind ist nicht hilflos! Es bahnt sich seinen Weg, es findet seinen Ort, seinen Raum, wo es hingehört. Es weiß schon, was es will, es tut schon alles, was nötig ist. Von ganz alleine. Und es braucht mich! Anders, als ich gedacht habe. Es braucht mich, und ich lasse es.

Von einem Moment auf den anderen weiß ich, dass ich diesem meinem Kind absolut vertrauen kann.“ (Karin Siakkos)